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Entwurf der Anwendung
Kanzel trank, krank ihm sogleich einer seiner Be-wunderer auf dem Lande das Glas ehrerbietiqstnach, damit er ihm Bescheid thate. Wohl demJünglinge von gesundem Verstände, der von seinerAkademie ohne solchen Professor - Zipfel wcgkommt,der sich oftmals schwer ablegt. Ein Mann, dertäglich auf dem Katheder spricht und jungen Leutenvordogmatisirt, muß in kurzer Zeit auch auf derKanzel, auch sogar in der Gesellschaft so sprechenund dogmatistren; cs ist dies aber nicht immernachzuahmende Schönheit. Jeder bescheidne Lehrererkennt dies selbst oder läßt sichs sagen und spricht:Zuhörer, folgt mir hierin nicht nach. Eure Kan-zel ist kein Katheder und eure Predigten sollen keineVorlesungen für stuckiooos rstsoloZiss werden. —Merkt der Zuhörer, daß er auf Unrechtem Wegeist, so bleibe er lieber stehen oder gehe rückwärts.Er gehe insonderheit gegen den Fehler an, der ihmzur Gewohnheit werden will, und besuche lieberandre, als die akademische Kirche.
Vom einfältigen Predigen fange man an,picht vom gezierten; vom planen und einfach rüh-renden , nicht vom erhabnen. Uebcr jedes Wort,jede Stellung der Worte und Sachen wisse mansich Rechenschaft zu geben: denn die ersten Predig-ten drucken unvermerkt eine Form in die Seele.Man lese zuweilen (aber nicht zu häufig) gute Pre-digten, die der Lehrer anpreiset; aber wenn manselbst arbeitet, lese man sie nicht; auch nicht ebenzu kurz vorher, zumal wenn der Jüngling bei sei-ner Lebhaftigkeit fürchtet, daß er ihnen auch un-