Briefe,
öS
Der zweite Gebrauch der parabolischen Poesieist zur Hülle; zur Einhüllung der Sachen, derenWürde einen Schleier fordert. So hat man Ge-heimnisse der Religion , der Politik und Philosophiein Parabeln und Fabeln gekleidet, und die Schrif-ten dieser Art sind von menschlichen Werken die äl-testen ; auch die, die sie ausgeschrieben, haben sienicht erfunden. Es ist ein zartes Lüftchen, dasaus den Traditionen älterer Völker die Flöteder Griechen berührt hat. — Sonst ist die Poesieeine Pflanze, die von der üppigen Erde ohne Sa-men hervorschießt, sich weit ausbreitct und überandre Wissenschaften emporwachst. Sie ist einTraum der Wissenschaft und Wahrheit: süß, man-nigfaltig, sic hat was Göttliches in sich, wie alleTraume; aber man muß auch aufwachen und inden Aether der wahren Wissenschaft hinaufstreben.
Die wahre Wissenschaft ist, wie die Wasser,eines doppelten Ursprungs: vom Himmel und vonder Erde: jenes ist die Theologie, dies die mensch-lichen Wissenschaften. Das Meer der Theologie be-fahrt man nur sicher im Schiff der Kirche, mitdem Magnet der Offenbarung: die Sterne der Phi-losophie sind hier nicht hinreichend u. f.
Acht und vierzigster Brief.
Aus den ätherischen Feldern der Poesie kom-men wir wieder zum sichern Boden der Geschichte.