Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 10 (1829) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 2
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

das Studium der Theologie betr. 97

über dasselbe. — Die dramatische Poesie ist eineanschaubare Geschichte; sie hat einen Schauplatz,der so groß als die Welt ist, und könnte sehr aufdie Sitten wirken, wenn sie dazu gebraucht würde.Kluge Männer und große Philosophen haben sie fürein Saitenspiel der Seele angesehen: denn es ist einGeheimniß der Natur, daß die Menschen in derVersammlung mehr bewegt werden, und den Ein-drücken offener stehen, als wenn sie allein sind.—Die parabolische Poesie endlich ist gleichsam wasHeiliges und Erhabnes, wie sie denn auch die Re-ligion selbst gebraucht, den Menschen Göttlichesmitzuthcilen. Sie ist indessen auch durch leichtsin-nige, üppige Köpse befleckt worden.

Die Allegorie ist von einem zweifachen, einan-der cntgegeustehendcn Gebrauch: bald dient sie zurHülle, bald zur Erläuterung: hier enthülletund lehret, dort verhüllet sie und kleidet ein. AlsLehre haben sie insonderheit die Alten häufig ge-braucht: denn, da die Erfindungen und Schlüsse dermenschlichen Vernunft, die uns'jetzt bekannt undgeläufig sind, damals neu und ungewohnt waren,und kaum gefaßt wurden, wenn man sie nicht sinn-lich machte: so erschienen sie in solchen Bildern,Fabeln, Parabeln, Räthseln und Sprüchen, wiez. E. Mcncnius Agrippa durch eine Fabel das rö-mische Volk zufrieden stellte. Wie die Hieroglyphenalter sind, als die Buchstaben; so sind die Para-beln alter als die Beweisgründe. Noch jetzt undimmerhin wird diese Kraft den Parabeln bleiben:denn kein Beweis, kein wahres Exempel ist sodeutlich, so anschaulich wie sie.

Herders Werke j. Nel. u.Theol.^t.

G