das Studium der Theologie bctr. 91
„dieser Evangelist würde, wenn er seinen Messias„last, ihm danken, daß er diesen Gesang, jene„Geschichte also verschönert habe:" so achtenSie, m. Fr., auf den Abcrsinn nicht, den jedergesunde Verstand und der Dichter selbst verschmähet.Bibel und Gedicht, Fiktion und Geschichtestehen in keinem Betrachtaus gleichem Grunde:der Dichter selbst wird erwürget, wenn man ihnals Verbesserer der Bibel, als Geschichtschreiber be-handelt. Sie , bitte ich, lesen Klopstock, La-vatcr, Bodmcr und wer sonst über Geschichtender Bibel gedichtet hat, ja nicht, damit Sie dieBibel aus ihnen verschönern; sie aus- odervielmehr mit dem Dichter anschauen und betrachtenlernen — das mögen Sie, wenn sich die Vorstel-lungsart des Dichters mit der Ihrigen paaret. Ver-gessen Sie aber auch hier nicht, daß es nur Bor-ste l l u n g s a r t, d. i. Ihre und des DichtersEinbildung, sty, wenn Sie, was nicht dasteht,Hinzuthun, wenn Sie, was im eignen Umrißder Evangelisten dasteht, so und nicht anders aus-mahlen. Meine Warnung hiebei erstreckt sich aufAlles, was zum Gedicht gehöret, aufs Thema undden Gang der Handlung, auf Personen und Mei,yungen, auf Empfindungen und Charaktere.
„Also auch auf den Gang der Handlung,„den doch die Bibel selbst dem Dichter verzeichnet?Mich dünkt, ja: ich sage aber nur meine Meinung.Wenn ich mir z. B. an der Versöhnung, der Er-lösung , dem Gebete Christi in Gethsemane, demRichter, dem Satan u. s. nicht das dächte, wasder Dichter an ihnen schildert: wenn ich mir am