das Studium der Theologie betr. 87
Sieben und vierzigster Brief.
OaS Wichtigste und zugleich Gefährlichste derGedichte für einen Theologe» stellet mir noch bevor,nehmlich die biblische, die christliche Epo-pee. Wie hat ein Jüngling unsers Zeitaltersdiese Dichtungen, die die gerühmtestcn Werke unse-rer Muse sind, zu lesen, zu gebrauchen? TrauenSie mir zu, m. Fr., daß ich auch hier unparlheiischnach meinem besten Gefühl der Wahrheit redenwerde.
Am wenigsten liefet man sic dazu recht, wennman die Blumen ihrer Sprache lernen, unddiese in Liedern, Oden, Gebeten, gar in Abhand-lungen und Predigten anwenden will. Diese epischeMuse har ihren eignen Gang, ihre eigne Sprache;zumal die neuere epische Muse. Homer ist gegensie ein Kind und die Prose kriecht ihr zu Füßen.Wolle» Sie sich hiervon überzeugen, so lesen SieKlopstocks Prose. Nichts ist bescheidner, sanfterund, wie ein Schriftsteller sagt, lammesfrommerals sie: sie fliegt nicht, sie geht einfältig an derErde. Ein gleiches ist's mit der Prose Miltons,und beiden großen Schriftstellern, die in beiderleiStvl Muster seyn können, geschieht das empfind-lichste Unrecht, wenn unverständige Jünglinge dieneugeschaffne, hoheGöttcr- und Empsindungssprachederselben zu einer Pandvrenbüchse machen, aus dersic Schildercicn, lyrische Gedichte, geradbrechte Ae-