«4
Briefe,
dern Folgen haben als die sie schon hat, nehmlich,i>aß Deutschland ein Babel wird, wie von Dialek-ten und Herrschaften, so von Gesangbüchern undso Gott will, auch bald von n e u ü b er setz tenBibeln.
Lassen Sie sich, m. Fr., durch diese neue Lie-dergeburten nicht abschrcckcn, den alten Gesang inseiner Würde und Einsalt zu studiren und fortzu-lieben. Wir haben an ihm einen Reichthum anSprache und religiöser Empfindung,' der sich fastvon den Kirchenvätern herabecbet ; und ich wünschte,daß wir noch manche von ihren Hymnen, nichtden Worten, sondern dem Geiste nach, in unsrerSprache halten. Selbst das Mönchlalein der Mitt-lern Zeiten hatte manche Gesänge von einem Tonder Andacht, Feier und Demulh, der beinahe inunfern Sprachen keinen Ausdruck findet, wovon ichIhnen ja nur das sonst elende: stabst irratsr clo-lorosa, das schreckliche: äiss iras, cliss ill-r undmanche andre bekannte Cantionen zu nennen brauche.Einige unsrer Lieder, die Luther u. a. übersetzten,sind aus solchem altern Latein, und wenn der Aus-druck hie und da zu veraltet ist, so sollte man ihm,dünkt mich, nachhelfen, ohne, so viel möglich, seineKraft zu schwachen und dem ganzen Leibe die Ge-stalt seines Allerthums zu nehmen. Wer wird einStrasburgisches Münster oder eine notrs Dame inParis zerstören, um ein leichtes Opern - und Lust-haus an seine Stelle zu pflanzen?-In den
Gesängen der böhmischen Brüder ist oft eine Ein-falt und Andacht, eine Innigkeit und Brüdcrge-meinschaft, die — wir wohl lassen müssen, weil