Briefe,
Lc,
sang seyn, das sie" sich aus eignem Triebe zumMu-siec nahmen, weil sie allenfalls so innig fühlen,aber es nicht so gut sagen könnten. Was sollensie nun mit der gezierten Büchcrsprache? mit derpoetischen, oder gar abstrakten Tändelei? Und wür-den ihnen dazu ihre Lieder, Gesänge, die von Ju-gend auf die Gefährten ihres Lebens und wirklicheinmal, wie cs aus der Geschichte ihrer Verfasseroft bewiesen werden kann, die treuen Kinder derNoch, eine wahre Herzcnssprache des Dichters selbstwaren, würden diese ihnen genommen oder gar ver-stümmelt; und ihnen dafür poetische Ercrcitien,müßige Reim- Und Jugendübungen, die ohne Ver-anlassung und Beruf, ohne Noch Und Trieb des Her-zens, aus Muße, zur Ergötzung, oder gar ausRuhm- und Modesucht und für den Drucker zumLohn gemacht wurden, in die Hände gegeben: wäredies ein billiger Tausch für Leute, denen doch ei-gentlich (denn Vornehme, Reiche, Ucppige, Ge-lehrte, finden wenig Geschmack an Kirchenliedern)denen doch eigentlich das Gesangbuch gehöret.Sie trauen mir zu, daß ich hierüber ohne den min-desten Neid spreche; ich glaube auch, Sie halten michnicht für den Barbaren, der manchen Wust unsrer Ge-sangbücher nicht mit Verachtung undMitleid fühlte;viele sind ein zusammengeflossener— was soll ich sagen,See oder Sumpf? wo das Beste unter dem Schlech-testen, die Perle im Unrath liegt. Man schaffe al-so manchen alten Unrath weg! keinem vernünftigenMenschen wird's einfallen, dagegen zu seyn, daßOchsen- und Taubenkothhändler aus dem Tempelvertrieben und das Heiligthum gesäubert werde.
Auch