das Studium der Theologie betr. 79
lische Andacht selbst auf ihrem unsichtbaren Aether-throne zu uns herabziehen und in unsre heilige Ver-sammlung laden! — Erlauben Sie, m. Fr., daßich über Kirchenlieder und Kirchenmusik, (einemTheologen doch immer wichtige Gegenstände,) nachder Lage unsrer Zeit Ihnen meine Gedanken etwasausführlicher hersetzc; ich weiß, Sie gehen gerndiese nicht unnölhigen Schritte mit mir.
So wie bei allen Völkern der Gottesdienst eineArt Würde und Feierlichkeit des AllerthumSgehabt und zu erhalten gesucht hat, so sollten auchbei uns die Spuren, die davon etwa noch vorhan-den seyn möchten, nicht gänzlich weggetilgt werden.Die in der Musik wie im Gesänge, im Liede wiein der Predigt die Sprache des Gottesdienstes undder Religion üppig und weiblich machen wollten,sollten eher verwiesen werden, als jener Grieche,der einige Griffe der Tonart weicher machte; —-verwiesen nehmlich, nicht aus der Welt, sondernvom öffentlichen Gebrauche. Was sollen uns Ge-sänge, die der greßefte Haufe nicht Mitsingen kannund — nicht verstehet? was sollen uns andre, dieNiemand singen kann, weil sie zerhackt und durchsogenannte Verschränkungen, (simjakeinsntg) Reih«ad Reihauf geflickt sind? Der Kirchengesang gehtlangsam und feierlich daher; was sollen ihmSprünge? Der Kirchcngesang ist für die Men-ge; also auch für die Bedürfnisse derselben; fürihre Denk- und Sehart, für ihre Situation undSprache. Sie sollen hier zu Gott beten, wie sieaus ihrem Herzen beten würden; nur vcredelieSprache ihres Herzens. Ein Muster soll der Ge-