Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 10 (1829) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 2
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

was ein Mensch in diesen paar Predigten nichtgesagt hat, d. i. nicht sagen konnte, nicht sagenwollte, sogleich frech schließet, daß er's nicht glaube.Fliehen Sie, als eine Pest, dies Jnquisitionsur-theil. So ist's z. E. Erugott gegangen, dessenPredigten an Klarheit und Hellem, schönem Umrißwenige ihres gleichen haben; er ist, ich weiß nichtweßwegen? verschrien und das Gute seiner Schrif-ten wird des etwa Mangelnden wegen nicht ge-braucht. Hüten Sie sich überhaupt, m. Fr. ,vor aller ausschliessenden und einförmi-gen Behandlung Einer Lehre, Einer Situa-tion , Eines Textes. Wie ich über die Vorsehungbei Gelegenheit dieses Textes, dieser Situation rede,kann und werde und muß ich ja nicht bei jeder,der verschiedensten andern reden: sonst thate ich we-der mir, noch der Lehre, noch dem Wort Gottesein Genüge, und würde in kurzer Zeit ein tönen-des Erz, eine klingende Schelle. Wer immer der-selbe ist, ist immer derselbe, d. i. sehr wenig; diereichste Manier ist die gelenkste, die biegsamste, diesich jeder Geschichte, jedem Text anschmiegt, diedem übcrfliessenden Reichthum Gottes in der Na-tur und Schrift nachstrebet. Glauben Sie nicht,daß hiedurch die Einheit leide: sie leidet gewißnicht, wenn Sie recht und streng disponi-ren. Leben Sie wohl.