das Studium der Theologie bet r. 49
trockne und todte Erläuterungen seyn, wie man ei-nen dunkeln oder allgemeinen Satz erläutert —
Ich schlage die Bibel auf, wie sie fallt, undnehme also das letzte Glcichniß Christi, die Parabelvom jüngsten Gerichte.*) Daß sie anziehendschon, voll Abwechslung und hohen Sinnes, dabeiganz menschlich und moralisch, juBildung der Ge-sinnungen, ja selbst Erregungen der Affecten (soferndiese nehmlich die Predigt erregen soll) geschaffen,voll Schrecken und Liebe sey, darf ich nicht erwei-sen. Sie fühlens selbst und Werdens ganz zu füh-len suchen, ehe Sie darüber ein Wort reden. Istnun die ganze fürchterlich-schöne Darstellung inJh-rer Seele: so stellen Sie sie auch als eine solche dar.
Sie bereiten sich und die Gemeine zuerst durchein dahin gehöriges ernst-heiliges Lied vor: IhrGebet ist eine stille Anrede an den Unsichtbaren, dereinst sichtbar, an den Geduldig - tragenden , der einstRichter und Entscheide»: seyn wird, und so kurz dasGebet ist, (ich liebe keinen stürmenden Aufschrei zuAnfänge der Predigt) so Zeige es, daß Sie durch-drungen von Ihm sind, den Sie, den »vir alleeinst sehen werden und »nit ihm den Lohn unsrerThaten. Dieser stille Schauder, wenn er in IhnenWahrheit ist, wird sich mitthcilen, wird Ihre Ge-meine ergreifen und sie aufmerksam machen auf dieStimme deß und von dem, Verkommen soll,auf den unsre Hoffnung oder unser geheimesSchrecken wartet.
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*) Matth.
Herders Werke z.Nel.u.Theok. X. D ,