36 Briefe,
Zwei und vierzigster Brief.
„Wenn nun aber nothwendig der Text einLchrtext wäre?" So ist kein andrer Rath, alsdaß Sie ihn zur Geschichte machen, zur Ge-schichte Ihres und jedes Herzens, zurSituation der Menschheit: auf Einmal ha-ben Sie wieder das große, freie Feld vor sich. Siegencralisiren und vereinzeln, blicken über Zeiten undVölker hinaus und schranken sich wieder auf'smenschliche Herz ein; — andre Auskunft giebt'snicht. Das Herz ist die Triebfeder von allem:ihm zu gut erleuchten Sie den Verstand und müs-sen also das Licht desselben bis zu seiner Warmeleiten. Mögen Sie über eine Lehre oder über einePflicht predigen; (ich erblöde, wenn ich nur dieallgemeinen Namen Lehre, Pflicht und danndas arme Wort Predigt hinschreibe) die allge-meine Lehre und Pflicht kann nur im Be son-dern, im Einzelnen existiren, aller zu ferneund feine Dunst hilft nichts. Auf dies Besondremüssen Sie also dringen, die Philosophie und Dog-matik so sehr vom Himmel Herabrusen, daß sie jetztnur in diesem Kreise wohne und keinen andernRaum zu haben, zu begehren scheine. Ist IhrePredigt so ganz und eigen für Ihre Versammlung,daß sie nirgend anders, als hier gehalten werdenkann: behandelt sie sowohl Lehre als Pflicht nurals Interesse und Situation dieser Men-schen^ entwickelt die Hindernisse, die beide
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