das Studium der Theologie bcks. 3V
durch macht er auf jedes Moment des Fort-ganges aufmerksam: unvermerkt wird seine Er-zählung zum schönen Ganzen, gleichsam zurFabel des menschlichen Lebens, zum Spiegelmenschlicher Gesinnungen und Gestalten.Versuchen Sie in diesem Gesichtspunkte seine Ge-schichte vom Täufer, sein Gespräch Jesu mir derSamarikerin, den Jnquisikionsprozeß des Blindge-bornen, die Auferweckung Lazarus, die Leidensge-schichte u. f. zu lesen: wer, indem er die feinenZüge nur halb bemerkt, über eine solche Geschichtenicht predigen, und die Saiten des menschlichenHerzens berühren könnte: der wäre zu diesem Ge-schäfte wohl unbrauchbar — Ihm zunächst stündeLukas, der in seinen beiden historischen Schriftenfeine Züge des Gesprächs und der Bemerkung demGeschehenen cinwebc, dessen sich insonderheit einigeFestlectionen zu erfreuen haben. So hat Klopstockden Gang der Jünger nach Emahus aus ihm schönHochgebildet: so sind die Geschichten der Ankündi-gung und Geburt Johannes und Jesu, wie aucheinige andre, die die andern Evangelisten nicht ha-ben, erzählet. In den Büchern Moses sind vieledergleichen Erzählungen; nicht minder in der LebenS-geschichre Samuels, der Könige, der Propheten.Wer über die Geschieht KainS und Abels, Abra-hams und Melchisedeks, Isaaks Aufopferung, Ja-kobs und Josephs Schicksale, über Stücke ausMv-seS, Aarons, Samuelö, Sauls und seiner Nach-folger, Elias, Daniels, Jesaias u. f. Leben oderSchriften nicht zu predigen wüßte, worüber sollteder predigen? So hat Lavater die GeschichteHerders Werke r- Rel. u.Theol. X. C