der Geschichte der Menschheit. 3or
kirchen und Rathhausern so gewctteifert hätten, wieeinst die Städte der Griechen mit Bildsäulen und Tem-peln. In jeder derselben bemerken wir, woher ihr Ge-schmack Muster nahm und wohin sich damals ihr Ver-kehr wandte; Venedig und Pisa haben in ihren älte-sten Gebäuden eine andre Bauart, als Florenz oderMailand. Die Städte disscit des Gebirges folgten die-sen oder andern Mustern; im Ganzen aber wird diebessere gothische Baukunst am meisten aus der Ver-fassung der Städte und dem Geist der Zeiten erklär-bar. Denn wie Menschen denken und leben: so bauenund wohnen sie; auch auswärts gesehene Muster kön-nen sie nur nach ihrer Art anw.nden, da jeder Vog.lnach Gestalt und Lebensweise sein Nest bauet. An Klö-stern und Ritterkastellen wäre die kühnste und zierlich-ste gothische Baukunst nie geworden; sie ist das Pracht-rigenlhum der öffentlichen Gemeine. Desgleichen kra-gen die schätzbarsten Kunstwerke der Mittlern Zeit inMetallen, Elfenbein oder auf Glas, Holz, in Teppi-chen und Kleidern, das Ehrenschild der Geschlechter,der Gemeinheiten und Städte, weshalb sie auch mei-stens dauernden Werth in sich haben, und sind mitRecht ein unveräußerliches Besitzthum der Städte undGeschlechter. So schrieb der Bürgerfleiß auch Chro-niken auf, in welchen freylich dem Schreibenden seinHaus, sein Geschlecht, seine'Zunft und Stadt die gan-ze Welt ist; desto inniger aber nimmt er mit Geistund Herz an ihnen Anthcil, und wohl den Landern,deren Geschichte aus vielen dergleichen und nicht ausMönchs-Chroniken hcrvorgcht. Auch die RömischeRechtsgelehrsamkeit ist zuerst durch die Rathgeber derStädte kräftig und weise beschrankt worden; sonst wür-de sie die besten Statuten und Rechte der Völker zu-letzt verdränget haben.
Philos. und Gesch. VI. Th.
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