der Geschichte der Menschheit. 291.
lehrter Streiter zu üben und zu scharfen. Da istkein Artikel der Theologie, keine Materie der Meta-physik, die nicht die subtilsten Fragen, Zwiste undUnterscheidungen veranlaßt hatte und mit der Zeitzum feinsten Gewebe ausgesponnen wäre. DiesSpinnengewebc hatte seiner Natur nach weniger Be-standheit, als jener grobe Bau positiver Traditionen,an welche man blindlings glauben sollte; es konnte,von der menschlichen Vernunft gewebt, als ihr eige-nes Werk von ihr auch aufgelöset und zerstöret wer-den. Dank also jedem feinen Disputirgcist der mitt-leren Zeiten, und stdem Regenten, der die gelehrtenSchlosser dieser Gespinnstc schuf! Wenn mancherder Disputanten aus Neid oder seiner Unvorsichtig-keit wegen verfolgt, oder gar nach seinem Tode ausdem geweißten Boden ausgegrabcn wurde: so gingdoch die Kunst im Ganzen fort und hat die Sprach-vernunft der Europäer sehr gcscharfet.
Wie das südliche Frankreich der erste daurend»Schauplatz einer aufstrebenden Volksreligion war: soward fein nördlicher Theil, zumal in der berübmtenPariser Schule der Ritterplat; der Spekula-tion und Scholastik. Paschasius und Natram-nus hatten hier gelebt, Scotus Erigena in FrankreichAufenthalt und Gunst gefunden, Lanscanc und Be-rengar, Anselm, Abelard, Petrus Lombardus, Tho-mas von Aguino, Bonaventura, Dccam, DunSScotus, die Morgensterne und Sonnen der scholasti-schen Philosophie lebrten in Frankreich entweder Zeit-lebens, oder in ihren besten Jahren; und aus allenLandern flog alles nach Paris, diese höchste Weis-heit des damaligen Zeitalters zu lernen. Wer sichin ihr berühmt gemacht batte, gelangte zu Ehren-
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