25 z Ideen zur Philosophie
ältesten, nie eroberten Freystaatcs empor. Es erwei-set durch seine Geschichtewas mehrere Handelsstaa-ten erwiesen haben, daß man von Nichts zu Allemkommen und sich auch vor dem nahcsten Ruin sichernkönne, so lange man unabläßigen Fleiß mit Klug-heit verbindet. Spat wagte cs sich aus seinen Mo-rästen hervor, und suchte, wie ein scheues Thierdes Schlammes, am Strande des Meers einen klei-nen Erdstrich, that sodann einige Schritte weiter,und stand, um die Gunst des reichsten Kaiserthumsbemüht, seinen schwachen Exarchen zu Ravenna bey.Dafür erhielt es denn, was es gewünscht hatte, dieansehnlichsten Frcyhciten in diesem Reiche, bey wel-chem damals der Hauprhandcl der Welt war. So-bald die Araber um sich griffen und mit Syrien,Aegypten, ja fast allen Küsten des mittelländischenMeers auch den Handel derselben sich zucignetcn,stand zwar Venedig ihren Angriffen aufs adriacischeMeer kühn und glücklich entgegen; ließ sich aberauch zu rechter Zeit mit ihnen in Verträge ein, undward durch solche mit ungemcßnem Vorkheil die Vcr-händlerin alles morgenländischcn Reichthums, lieber-Venedig kamen also Gewürze, Seide, alle östlicheMaaren der Ucppigkeit in so reichem Maaß nachEuropa, daß beynahc die ganze Lombardei) die Nie-derlage derselben, und nebst den Juden die Venetia-ncr und Lombarden die Unterhändler der gesummtenAbendwelt wurden. Der nutzbarere Handel der Nord-länder litt damit aus eine Zcitlang; und nun faßte,von den Ungarn und Avarcn gedrängt, das reicheVenedig auch einen Fuß auf dem festen Lande. In-dem sie es weder mit den griechischen Kaisern nochmit den Arabern verdarben, wußten sie Konstantins-