der Geschichte der Menschheit. 229
höchsten Grade despotisch: Papst nnd Kaiser waren imKhalifen auf die strengste Weise verbunden. Das un-bedingte Schicksal, an welches man glaubte, das Wortdes Propheten, das im Koran Gehorsam aebot, fodcrteauch Ergebung ins Wort seines Nachfolgers, ins Worcder Statthalter desselben; mithin ging dieser Scelen-Dcspotismus in die Verwaltung des ganzen Reichsüber. Wie leicht war nun, zumal in den entferntenProvinzen des weitverbreiteten Reichs, der Ucbergangvom Despotismus in eines andern, zur Allgewalt ineigenem Namen! Daher fast allenthalben die Statthal-ter eigenmächtige Herren wurden, und die feinste Re-gierungskunst der Khalifen nur darin bestand, ihreStatthalter geschickt zu vertheilen, abzurufen, oder zuverwechseln. Als Mamun z. B. feinem tapfern Feld-herrn Taher in Ehorafan zu viel Gewalt cinraumte,ssab er ihm damit die Zügel der Selbstherrschaft in dieHand; die Lander jenfeit des Gihon wurden vom Stühsdes Khalifen getrennt und den Türken der Weg insInnere des Reichs gebahnct. So gings in allen Statt-halterschaften, bis das weite Reich einem Sunde los-gerissener Inseln glich, die kaum noch durch Spracheund Religion zufammcnhingen, in sich selbst aber undgegen andre in höchster Unruhe waren. Sieben bisachthundert Jahre wechselten diese Jnsclreiche mit oftveränderten Grenzen, bis die meisten, nie aber alle,unter die Gewalt der Osmannen kamen. Das Reichder Araber hatte keine Konstitution; das größcste Un-glück für den Despoten sowohl, als für seine Skla-ven. Die Konstitution mohammedanischer Reiche istErgebung in den Willen Gottes und seiner Statthal-ter, Islamis m u s.
3. Die Regierung des arabischen