202 Ideen zur Philosophie
die Bettelmönche. Alle sie, nebst den Nonnen jederArt, (die Brüder und Schwestern der Barmherzig-keit vielleicht allein ausgenommen,) gehören einzignur in jene harte, dunkle, barbarische Zeiten. Werwürde heut zu Tage ein Kloster nach der Regel Be-nedikts stiften, damit die Erde gcbauet, oder eineDomkirchc gründen, damit Jahrmarkt in ihr gehal-ten werde? Wer würde von Mönchen die Theoriedes Handels, vom Bischöfe zu Nom das Systemder besten Staatswirthschaft, oder vom gewöhnlichenScholaster eines Hochstifts die beste Einrichtung derSchulen lernen wollen ? Damals indessen war alles,was der Wissenschaft, Sittlichkeit, Ordnung undMilde auch nur in seinen Nebenzwecken diente, vonunschätzbarem Werth.
Daß man indcß die erzwungenen Gelübde derEnthaltsamkeit, des Müßigganges und der klösterlichenArmulh zu keiner Zeit und unter keiner Rcligions-parthey dahin rechne! Dem päpstlichen Stuhl wa-ren sie zu seiner Oberherrschaft unentbehrlich: ermußte die Knechte der Kirche von der lebendigenWelt losrcißen, damit sie seinem Staat ganz lebten;der Menschheit aber waren sie nie angemessen, nochersprießlich. Lasset Ehrlos bleiben, betteln und Psal-mensingen, lasset sich geißeln und Rosenkränze beten,wer kann und mag; daß aber Zünfte dieser Art un-ter öffentlichem Schutz, ja unter dem Siegel derHeiligkeit und eines überströmenden Verdienstes, aufKosten des geschäftigen, nützlichen Fleißes, eines ehr-baren Hauswesens, ja der Wünsche und Triebeunsrer Natur selbst, mit Vorzügen, Pfründen, undeinem ewigen Einkommen begünstigt werden; werist, der dies zu loben, oder zu billigen vermöchte?