der Geschichte der Menschheit. 190
der Priester; mit geschorneM Haupt und unwiderruf-lichem Gelübde werden sie seine Diener auf ewig.Unauflöslich ist das Band, das Kirche und Priesterknüpft; genommen wird ihm Kind, Weib, Vaterund Erbe; abgeschnitten vom fruchtbaren Baum desMenschlichen Geschlechts wird er dem petennirend-dürrcn Baum der Kirche eingeimpfet: seine Ehrefortan nur ihre Ehre, ihr Nutze der seine; keineAenderung der Gedanken, keine Reue ist möglich,bis der Tod seine Knechtschaft endet. Dafür aberzeigte diesen Leibeignen die Kirche auch ein weitesFeld der Belohnung, eine hohe Stufenleiter, reiche,wcitgebietende Knechte, die Herren aller Fceyen undGroßen der Erde zu werden. Den Ehrgeizigen reiztesie mit Ehre, dm Andächtigen mit Andacht, undhatte für jeden, was ihn locket und belohnet. Auchhat diese Gesetzgebung das Eigene, daß so lange einRest von ihr da ist, sic ganz da ftp, und mit jedereinzelnen Maxime alle befolgt werden müssen: dennes ist Petrus Fels, auf welchem man mit seinemunvergänglichen Netze fischet; es ist das unzuzerstük-kende Gewand, das im Spiel der Kriegsleute selbstnur Einem zu Theil werden konnte.
7. Und wer war in Rom, an der Spitze sei-nes heiligen Kollegium, dieser Eine? Nie ein wim-merndes Kind, dem man-etwa an seiner Wiege denEid der Treue schwur, und damit allen Phantasieenseines Lebens Huldigung gelobte: nie ein spielenderKnabe, bey dem man sich durch Begünstigung sei-ner Jugend-Thorheiten cinschmeichelte, um nachherder verzärtelnde Liebling seiner Laune zu werden;ein Mann oder Greis ward erwählet, der meistensin Geschäften der Kirche schyn geübt, das Feld
N 2