d er G e sc h i chtc d e r Men sch h ei t. 191
er um und an sich trägt, in Händen. Lebenslangblieb der Gläubige unter ihrer Jucht unmündig, undim Artikel des Todes band sie ihn mit siebenfachenBanden, um den Reuigen und Freygcbige» destofreygcbigcr zu lösen. Das geschah Königen und Bett-lern , Rittern und Mönchen, Männern und Wei-bern ; weder seines Verstandes, noch seines Gewis-sens mächtig, mußte jedermann geleitet werden, undan Leitern konnte es ihm nie fehlen. Da nun derMensch ein träges Geschöpf ist, und wenn er ein-mal an eine christliche Seelenpflege gewöhnt ward,derselben schwerlich wieder entbehren mag, vielmehrseinen Nachkommen dies sanfte Joch als das Pol-ster eines Kranken anempflehlet: so war die Herr-schaft der Kirche damit im Innersten der Menschengegründet. Mit dem Verstände und dem Gewissendes Gläubigen hatte sie Alles in ihrer Gewalt; cswar eine Kleinigkeit, daß wenn sie ihm sein Geist-liches säete, sie etwa sein Leibliches ernte; hingege-ben wie er war, hatte sie ihn bey Lcibeslebcn imInnersten längst geerdet.
2. Diesen Glauben zu leiten, bedientesich die Kirche nicht etwa des Größe sten,des Wichtigsten, sondern des Faßlich-sten, des Kleinsten, weil sie wohl wußte, welchein Weniges die Andacht der Menschen vergnüge.Ein Kreuz, ein Marienbild mit dem Kinde, eineMesse, ein Rosenkranz thaten zu ihrem Zwecke mehr,als viel feine Spekulationen würden gcthan haben;und auch diesen Hausrath verwaltete sie mir demsparsamsten Fleiße. Wo eine Messe hinrcichte, be-durfte es des Abendmahls nicht: wo eine stille Messegenug war, bedurfte es keiner lauten; wo man ver-