Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 6 (1820) Ideen ; 4
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

rgo Ideen zur Philosophie

als die Gefahr, mit der Europa bedrohet ward, sehrwohl zu gebrauchen wußte, sich selbst als Retter Ita-liens ins Feld wagte, und fortan daS Ehristenthumgegen alle Ungläubigen zum Fcldpanier machte. Einefürchterliche Ärt der Kriege, zu denen er mit Bannund Interdikt zwingen konnte, und in denen er nichtetwa nur Herold, sondern oft auch Schatzmeisterund Feldherr ward. Das Gluck der Normanner ge-gen die Araber nutzte er gleichfalls; er belieb sic mitLändern, die ihm nicht gehörten, und gewann durchsie den Rücken frey, um vor sich hin zu wirken.So wahr ists, daß der am weitsten kommt, der an-fangs selbst nicht weiß, wie weit er kommen werde,dafür aber jeden Umstand, den ihm die Acic gewah-ret, nach festen Maasregeln gebrauchet.

Lasset uns einige dieser Maasregeln, die derrömische Hof zu seinem Vortheil befolgt hat, ohneLiebe und Haß auszcichnen:

r. Roms Herrschaft beruhte auf Glau-ben, auf einem Glauben, der zeitlich und ewig dasWohl menschlicher Seelen befördern sollte. Zu die-sem System gehörte alles, was menschliche Seelenleiten kann; und dies Alles brachte Nom in seineHände. Von Mutterleibe an bis ins Grab, ja bisjenseit desselben im Fegefeuer war der Mensch in derGewalt der Kirche, der er sich nicht entziehen konnte,ohne Rettungslos unglücklich zu werden: sic formteseinen Kopf, sie beunruhigte und beruhigte sein Herz;durch die Beicht hatte sie den Schlüssel zu seinenGeheimnissen, zu seinem Gewissen, zu all:n, was