r86 Ideen zur Philosophie
Jahrhundert wägete es Victor die Christen in Astennicht für scine Brüder zu erkennen, wenn sie dasOsterfest nicht zu Einer Zeit mit ihm feyern wollten;;a die erste Spaltung der Juden- und Heidcn-Chri-sten ist wahrscheinlich von Rom aus beygelegt wor-den: Paulus und Petrus liegen in ihm friedlich be-graben *). Dieser Geist einer allgemeinen Lehre er-hielt sich auf dem römischen Stuhl, und obgleicheinige Papste sich vom Vorwurf der Ketzerei) kaumhaben rein erhalten mögen: so wußten jedesmal ihreNachfolger einzulcnken und traten zurück ans Steuerder rechtgläubigen Kirche. Nie hat sich Rom vorKetzereycn gebückt, so oft diese es auch mächtigdrängten: morgenlandische Kaiser, Ost- und West-gorhen, Burgunder und Langobarden waren Arianer;einige derselben beherrschten Rom; Rom aber bliebkatholisch. Ohne Nachsicht schnitt es zuletzt sich abvon der griechischen Kirche, ob diese gleich eine halbeWelt war. Nothwendig mußte diese Grundlage einerunerschüttertcn Reinigkeit und Allgemeinheit der Lehre,die auf Schrift und Tradition zu ruhen vorgab, Keygünstigen Umstanden einen geistlichen Richterthronüber sich gewinnen und tragen.
Solche günstige Umstande kamen. Nachdem derKaiser Italien verlassen, als das Reich gctheilt, vonBarbaren überschwemmt, ström mehrmals erobertund geplündert ward: da hatte mehr als Einmalsein Bischof Gelegenheit, auch sein Erretter zu wer-den. Er ward der verlassenen Königsstadt Vater;und die Barbaren, die die Herrlichkeit Noms ver-
j Hievon an einem andern Orte.