io6 Ideen zur Philosophie
welche das Christenthum frühe gekommen war, lagenihm als ein rath- und hülfsbedürstigec Garten um-her; höher hinauf standen die Barbaren, deren rau-here Gegenden bald zu einem urbaren Lande derChristenheit gemacht werden sollten. Allenthalben warhier Key schwächerer Konkurrenz mehr zu thun undzu gewinnen, als in denen mit alten Bischofthümcrnübersatten östlichen Provinzen, die durch Spekulatio-nen, Widersprüche und Streitigkeiten, bald auchdurch die wollüstige Tyrannei) der Kaiser, endlichdurch die Einbrüche der mahomcdanischen Araber undnoch wilderer Völker eine zerstörte lechzende Aue wur-den. Die barbarische Gutherzigkeit der Europäerkam ihm weit mehr zu statten, als die Treulosigkeitder feinern Griechen oder die Schwarmercy der Asia-ten. Das dort brausende Christenthum, das hie undda ein hitziges Fieber des menschlichen Verstandes zuscyn schien, kühlte sich also in einem gemaßigternErdstrich durch seine Satzungen und Rechte ab;phne welche wahrscheinlich auch hier Alles in denkraftlosen Zustand gesunken wäre, den wir nach tol-len Anstrengungen zuletzt im Orient bemerkten.
Gewiß hat der Bischof zu Rom für die christ-liche Welt viel gelhan; er hat, dem Namen seinerStadt getreu, nicht nur durch Bekehrungen eineWelt erobert, sondern sie auch durch Gesetze, Sittenund Gebrauche langer, starker und inniger, als dasalte Rom die seine, regieret. Gelehrt hat der römi-sche Stuhl nie seyn wollen; er überließ dies Vorrechtandern, z. B. dem Alepandrinischen, Maylandischen,selbst dem Hipponcsischen Bischofstuhle und wer sonstdessen begehrte; aber auch die gelehrtesten Stühleunter sich zu bringen, und nicht durch Philosophie,