Ideen zur Philosophie
liefe Gründung eines Baues schuldig, der mit unge-heurer Erweiterung Jahrtausende überdauren konnte;weiche Sitten, nachgebendc Grundsätze würden vonAnfänge an alles haben zerfließen lassen, wie einSchaalenloser Saft zerfließt.
Indessen kommt cs in einzelnen Fallen dochauch darauf an, wofür ein Mensch streite und sterbe?Jsts für seine innere Ueberzcugung, für einen Bundder Wahrheit und Treue, dessen Lohn bis über dasGrab reichet: isis für das Zeugniß einer unentbehr-lich wichtigen Geschichte, die man selbst erlebt hat,deren uns anvertraucte Wahrheit ohne uns unterge-hen würde; wohlan! da stirbt der Märtyrer wie einHeld, seine Ueberzcugung labt ihn in Schmerzenund Qualen, und der offene Himmel ist vor ihm.So konnten jene Augenzeugen der ersten Begebenhei-ten des Ehristenthums leiden, wenn sie sich in demnothwendigcn Fall sahen, die Wahrheit derselben mitihrem Tode zu besiegeln. Ihre Verläugnung wäreeine Absagung selbsterfahrner Geschichte gewesen, undwenn cs nöthig ist, opfert ein Rechtschaffener auchdieser sich selbst auf. Solche eigentliche Bekennerund Märtyrer aber konnte nur das älteste Ehristen-thum und auch dieses ihrer nicht ungeheuer viele ha-ben , von deren Ausgange aus der Welt, so wievon ihrem Leben, wir wenig oder nichts wissen.
Anders war's mit den Zeugen, die Jahrhun-derte spater, oder Hunderte von Meilen entferntzeugten, denen die Geschichte des Ehristenthums nurals Gericht, als Tradition, oder als eine geschrie-bene Nachricht zukam; für urkundliche Zeugen kön-nen diese nicht gelten, indem sie nur ein fremdesZeugniß, oder vielmehr nur ihren Glauben air das-