der Geschichte der Menschheit. 99
entfernten. Natürlich wurden sie also für Feindedesselben gehalten, de-s Hasses und Abfcheues andrerMenschen würdig. Nachdem die Kaiser gesinnet wa-ren , und neue Gerüchte sie entweder besänftigtenoder ausbrachten, nachdem wurden Befehle für odergegen die Christen gegeben; Befehle, die in jederProvinz nach den Gesinnungen der Statthalter odernach ihrem eignen Betragen mehr oder minder be-folgt wurden. Eine Verfolgung indessen, wie manin spätem Zeiten z. B. gegen die Sachsen, Albigen-ser, Waldenser, Hugonotten, Preußen und Livenvornahm, ist gegen sie nie ergangen; Religionskriegeder Art lagen nicht in der Römischen Denkweise. Eswurden also die ersten dreyhundcrt Jahre des Chri-stenthums wahrend der Verfolgungen, die man inihnen zahlet, die Tryumphzeit der Märtyrer deschristlichen Glaubens.
Nichts ist edler, als, seiner UeberzeUgung treu,sie durch Unschuld der Sitten und Biederkeit desCharakters bis zum letzten Athcm zu bewähren; auchhaben die Christen, wo sie als verständige, guteMenschen dergleichen Unschuld und Festigkeit zeigten,sich dadurch mehr Anhänger erworben, als durch Er-zählungen von Wundergaben und Wundergcschichtcn.Mehrere ihrer Verfolger staunten ihren Muth an,selbst wenn sie nicht begriffen, warum sie sich derGefahr aussctzten, also verfolgt zu werden. Ueber-dem, nur das was ein Mensch herzhaft will, erreichter;und worauf eine Anzahl Menschen lebend und ster-bend beharret, das kann schwerlich unterdrückt wer-den. Ihr Eifer zündet an; ihr Beyspiel, selbst wennes nicht erleuchten kann, wärmet. Gewiß ist alsodie Kirche der Standhaftigkeit ihrer Bekenner jene
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