92 Ideen zur Philosophie
Glieder davonträgt: so logen auch hier zu viele Ge-fahren und Verführungen um beyderlcy Stande, alsdaß eine gewöhnliche Vorsicht ihnen hatte entweichenmögen. Um so rühmlicher sind die wenigen Namen,die als Feldherren und Kaiser, oder als Bischöfe,-Patriarchen und Staatsleute auch an diesem schwe-fclicht-dunkeln Himmel wie zerstreuete Sterne glan-zen; aber auch ihre Gestalten entzieht uns derNebel.
Betrachten wir endlich den Geschmack in Wis-senschaften, Sitten und Künsten, der sich von die-sem ersten und größestcn Christenrciche verbreitet hat;so können wir ihn nicht anders, als barbarischprach-tig und elend nennen. Seitdem zu Theodosius Zei-ten im römischen Senat vorm Antlitz der Sieges-göttin Jupiter und Christus um den Besitz des rö-mischen Reichs stritten, und Jupiter seine Sacheverlohr, gingen die Dcnkmahle des alten großen Ge-schmacks, die Tempel und Säulen der Götter inaller Welt allmählich oder gewaltsam unter; und jechristlicher ein Land war, desto eifriger zerstörte esalle Uebecbleibsel des Dienstes der alten Dämonen.Der Zweck und Ursprung der christlichen Kirchenverbot die Einrichtung der alten Götzentempel; alsowurden Gerichts - und Versammlungsplätze, Basili-ken , ihr Vorbild, und obgleich in den ältesten der-selben aus Konstantins Zeiten allerdings noch eineedle Einfalt merklich ist, weil sie theils aus heidni-schen Resten zusammengetragen, theils mitten unterden größcsten Denkmahlen errichtet wurden; so istauch diese Einfalt dennoch schon christlich. Ge-schmacklos sind ihre dort und hier geraubten Säulenzusammengesetzt, und das Wunder der christlichen