9» Ideen zur Philosophie
Wissen jenes zweyköpfige Ungeheuer schuldig, dasunter dem Namen der welt- und geistlichen Machtsich selbst und andre Volker neckte oder unter-trat, und nach zwe» Jahrtausenden sich noch jetzokaum über den Gedanken ruhig vereint hat, wozuReligion und wozu Regierung unter den Menschendasey? Ihm sind wir jene fromme Kaiser-Will-kühr in den Gesetzen, und mit ihr jene christfürstlich-unkaiserliche Nachgiebigkeit schuldig, die in kurzemder fürchterlichste Despotismus werden mußte *).Daber die Laster und Grausamkeiten in der abscheu-lichen byzantinischen Geschichte: daher der feile Weih-rauch an die schlechtesten christlichen Kaiser: daherdie unselige Verwirrung, die geist- und weltlicheDinge, Ketzer und Rechtgläubige, Barbaren undRömer, Feldherren und Verschnittene, Weiber undPriester, Patriarchen und Kaiser in eine gährcndeMischung brachte. Das Reich hatte sein Princi-pium, das schwankende Schiff hatte Mast undSteuer vcrlohren; wer ans Ruder kommen konnte,ruderte, bis ihn ein anderer fortdrangte. Ihr altenRömer, Sextus, Cato, Cicero, Brutus, Titus,und ihr Antonine, was hattet ihr zu diesem neuen
lieber detl Zeitraum von Konstantins Bekehrungan bis zum Untergange des Weströmischen Reichsist die Geschichte der Veränderungenin d e r N e g i e r u n g, den Gesetzen unddem menschlichen Geist von einem unge-nannten französischen Schriftsteller scharfsinnigund mit Fleiß bearbeitet worden. Die Uebersez-zung ist zu Leipzig 1784 erschienen.