der Geschichte der Menschheit. 89
verrückt, daß sie, statt auf der Erde ;u lebe», inLüften des Himmels wandeln lernten; und wie eskeine größere Krankheit geben kann, als diese, soists wahrlich ein beweinenswerther Schade, wenn siedurch Lehre, Ansehcn und Institute fortgepflanzt unddie lautern Quellen der Moral auf Jahrhundertehin dadurch trübe gemacht wurden.
Als endlich das Christenthum erhöhet und ihmin der Kaiserfahne der Name gegeben ward, dernoch' jetzt als die herrschende Römisch - KaiserlicheReligion über allen Namen der Erde wehet: aufeinmal wurde da die Unlauterkeit offenbar, dieStaats- und Kirchensachen so seltsam vermischte, daßbcynah keinem menschlichen Dinge mehr sein rechterGesichtspunkt blieb. Indem man Duldsamkeit pre-digte, wurden die, die lange gelitten hatten, selbstunduldend: indem man Pflichten gegen den Staatmit reinen Beziehungen der Menschen gegen Gottverwirrte, und ohne es zu wissen eine halb-jüdischeMönchs-Religion zur Grundlage eines byzantinisch-christlichen Reichs machte: wie anders, als daß sichdas wahre Verhältnis zwischen Verbrechen und Stra-fen , zwischen Pflicht und Befugnis, ja endlich zwi-schen den Standen der Rcichsverfassung selbst schnö-de verlieren mußte. Der geistliche Stand ward inden Staat eingeführt, nicht wie er Key den Römerngewesen war, unmittelbar mitwirkend zum Staate;ein Mönchs- und Bettclstand ward er, dem zu guthundert Verfügungen gemacht wurden, die andernStanden zur Last sielen, sich einander selbst aufho-ben , und zehnfach geändert werden mußten, damitnur noch eine Form des Staats bliebe. Dem gros-sen und schwachen Constantin sind wir ohne sein