der Geschichte der Menschheit. 87
ist man weder der Schrift noch seines eignen Verstan-des mächtig.
Auch die christliche Sittenlehre fand in Aegyptenund in andern Gegenden des griechischen Reichs kei-nen bessern Boden; durch einen fürchterlichen Miß-brauch erschuf sie daselbst jenes grobe Heer der Eöno-biten und Mönche, das sich nicht etwa nur an Ent-zückungen in der thebaischen Wüste begnügte, sondernals eine gcmiethete Kriegsschaar oft Lander durchzog,Bischofswahlen und Eoncilicn störte, und den H. Geistderselben Aussprüche zu thun zwang, wie ihr unhei-liger Geist es wünschte. Ich ehre die Einsamkeit,jene nachdenkeude Schwester, oft auch die Gesetzge-berin der Gesellschaft, sie, die Erfahrungen und Lei-denschaften des geschäftigen Lebens in Grundsätze undin Nahrungssaft verwandelt. Auch jener tröstendenEinsamkeit gebühret Mitleid, die, des Joches undder Verfolgung andrer Menschen müde, in sich selbstErholung und Himmel findet. Gewiß waren vieleder ersten Christen Einsame der letzten Art, die vonder Tyrannei) des großen militärischen Reichs odervom Greuel der Städte in die Wüste getrieben wur-den , wo Key wenigen Bedürfnissen ein milder Him-mel sie freundlich ausnahm. Desto verächtlicher abersey uns jene stolze, eigensinnige Absonderung, die dasthatige Leben verabscheuend, in Beschauung oder inBüssungen ein Verdienst setzt, sich mit Phantomennährt, und stakt Leidenschaften zu crtödten, die wil-deste Leidenschaft, einen eigensinnigen, ungemessenenStolz in sich auffacht. Leider ward der Christianisrmus hiezu ein blendender Vorwand, seitdem manRathschläge desselben, die nur für wenige seyn sollten,zu allgemeinen Gesetzen machte, oder gar zu Bedin-