der Geschichte der Menschheit. 79
Vielleicht aber kann das Ansehen der Prie-ster ersetzen, was der cntschlafnen Lehre oder dercrstorbncn Bewegung abgeht? Einigermaßen, abernie ganz. Allerdings hat das Alter einer geheiligtenPerson den sanften Schimmer väterlicher Erfahrung,reifer Klugheit und einer leidenschaftlosen Ruhe derSeele vor und um sich; daher so manche Reifendeder Ehrerbietung gedenken, die sie vor bejahrten Pa-triarchen, Priestern und Bischöfen des Morgenlandesfühlten. Eine edle Einfalt in Gebärden, in derKleidung, dem Betragen, der Lebensweise trug da-ubey, und mancher ehrwürdige Einsiedler, wenn erder Welt seine Lehre, seine Warnung, seine» Trostnicht versagte, kann mehr Gutes gestiftet haben, alshundert geschwätzige Müßiggänger im Tumult derGassen und Märkte. Indessen ist auch das edelsteAnsehen eines Mannes nur Lehre, ein Beyspielauf Erfahrung und Einsicht gegründet; treten Kurz-sichtigkeit und Vorurthcile an die Stelle der Wahr-heit, so ist das Ansehen der ehrwürdigsten Persongefährlich und schädlich.
3 . Da alles Leben der Menschen sich auf dieGeschäftigkeit einer gemeinsamen Ge-sellschaft beziehet: so ist offenbar, daß auch imEhcistenrhum früher oder später alles absterben mußteoder abstcrben wird, was sich davon ausschließt. Jedetodte Hand ist todt: sie wird abgelöset, sobald derlebendige Körper sein Leben und ihre unnütze Bürdefühlet. So lange in Asien die Missionen in Wirk-samkeit waren, theilten sie Leben aus und empfingenLeben; als die weltliche Macht der Araber, Tatern,Türken sie davon ausschloß, verbreiteten sie sich nichtweiter. Ihre Klöster und Bischofssitze stehen als