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Zur Philosophie und Geschichte Theil 6 (1820) Ideen ; 4
Entstehung
Seite
78
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Ideen zur Philosophie

Völkern, Zeiten und Weltgegcnden so verschieden,daß mein am Ende sich nur an das halten muß,was er lehren sollte; woran sich denn auch die herr-schende Kirche hielt. Sie fürchtete die Unküchtigkritund Kühnheit vieler ihrer Lehrer, faßte sich also kurzund blieb in einem engen Kreise. Dabey lief sic nunfreylich auch Gefahr, daß der Inhalt ihrer Lehre sichsehr bald erschöpfte und wiederholte, daß m wenigenGeschlechtern die ererbte Religion fast allen Elan;ihrer Neuheit verlor, und der gedankenlose Lcbrcrauf seinem alten Bekcnntniß sanft einschlief. Und sowar meistens auch nur der erste Stoß christlicherMissionen recht lebendig; bald geschah es, daß jedematte Welle eine mattere trieb, und alle zuletzt indie stille Oberfläche des Herkommens eines altenEhristcu-Gebrauches sanft sich verloren. Durch Ge-bräuche suchte man nämlich das zu ersetzen, was derSeele des Gebrauchs, der Lehre, abging; und sofand sich das Cercmonicnwescn ein, das endlich zueiner geistlosen Puppe geriet!), die in alter Pracht,imbcrübrbar und unbeweglich dasiand. Für Lehrerund Zuhörer war die Puppe zur Bequemlichkeit er-dacht: denn beyde konnten dabey etwas denken, wennsie denken wollten; wo nicht, so ging doch, wie mansagte, das Vehikulum der Religion nicht verloren.Und da vom Anfänge an die Kirche sehr auf Einheithielt, so waren zur gedankenlosen Einheit Formeln,die die Heerde am wenigsten zerstreuen mochten, aller-dings das beste. Von allem diesen sind die KirchenAsiens die vollesten Erweise: sie sind noch, was sievor fast zwey Jahrlarrsenden wurden, entschlafnc see-lenlose Körper: selbst Ketzerey ist in ihnen ausgcstorben;denn auch zu Ketzereven ist keine Kraft mehr da.