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Ideen zur Philosophie
Stirn unterzuschicbcn. Der fromme Betrug,der in Sachen dieser Urt abscheulicher als Meineidist, weil er ganze Reihen von Geschlechtern undZeilen ins Unermeßliche hin belüget, war bald keineSünde mehr, sondern zur Ehre Gottes und zumHeil der Seelen ein Verdienst. Daher die vielenuntergeschobenen Schriften der Apostel und Kirchen-vater: daher die zahlreichen Erdichtungen von Wun-dern, Märtyrern, Schenkungen, Konstitutionen undDekreten, deren Unsicherheit durch alle Jahrhunderteder altern und Mittlern Ehristengeschichtc fast bis zurReformation hinauf, wie ein Dieb in der Nachtfortschleichet. Nachdem Einmal das böse Princi-pium angenommen war, daß man zum Nutzen derKirche Untreue begehen, Lügen erfinden, Dichtungenschreiben dürfe, so war der historische Glaube ver-letzt; Zunge, Feder, Gedachtniß und Einbildungs-kraft der Menschen hatten ihre Regel und Richtschnurvcrlohcen, so daß statt der Griechischen und Puni-schen Treue wohl mit mchrerem Rechte die christ-lich e G! a u b w ü r d i g k e i t genannt werden möch-te. Und um so unangenehmer fallt dieses ins Auge,da die Epoche des Christenthums sich einem Zeitalterder trefflichsten Geschichtschreiber Gricchenlandes undRoms anschließt, hinter welchen in der christlichenAcra sich auf einmal, lange Jahrhunderte hin, diewahre Geschichte bcynahc ganz verlieret. Schnellsinkt sic zur Bischofs- Kirchen - und Mönchschronikhinunter, weil man nicht mehr für die Würdigstender Menschheit, nicht mehr für Welt und Staat,sondern für die Kirche, oder gar für Orden, Klosterund Sekte schrieb, und, da man sich ans Predigengewöhnt hatte, und das Volk dem Bischöfe alles