der Geschichte der Menschheit. b7
den Stachel der Gesetze, rottet aus dis Dorrte» derStreitigkeiten und Liechte, und vereinigt den Seel-sorger , Leichter und Vater. Wie aber, wenn inder Zeitfolge die Hirten ihre menschliche Heerde alswahre Schaafe behandelten, dder sic gar als lastbareThiere zu Distel» führten? Oder wenn statt derHirten rechtmäßig-berufene Wölfe unter die Heerdekamen? Unmündige Folgsamkeit ward also gar baldeine christliche Tugend; es ward eine christliche Tu-gend, den Gebrauch seiner Vernunft aufzugcbcn undstatt eigner Ueberzeugung dem Ansehen einer fremdenMeynung zu folgen, da ja der Bischof an der Stelleeines Apostels Botschafter, Zeuge, Lehrer, Ausleger,Richter und Entscheiden war. Nichts ward jetzt sohoch angerechnet, als das Glauben, das geduldigeFolgen; eigne Meynungen wurden halsstarrige Ketze-reyen, und diese sonderten ab vom Reich Gottesund der Kirche. Bischöfe und ihre Diener mischtensich, der Lehre Christi zuwider, in Familienzwiste,in bürgerliche Handel: bald gcriethen sic in Streitunter einander, wer über den andern richten solle?Daher das Drängen nach vorzüglichen Bischofsstel-lcn, und die allmählige Erweiterung ihrer Rechte;daher endlich der endlose Zwist zwischen dem geradenund krummen Stabe, dem rechten und linken Arm,der Krone und Mitra. So gewiß cs nun ist, daßin den Zeiten der Tyrannen) gerechte und frommeSchiedsrichter, der Menschheit, die das Unglück hat-te , ohne politische Konstitution zu leben, eine unent-behrliche Hülfe gewesene so ist auch in der Geschich-te kaum ein größeres Aergcrniß denkbar, als dcrlange Streit zwischen dem geist- und weltlichen Arm,über welchem Ein Jahrtausend hin Europa zu kei-