Menschengeschlecht nur der Unvernunft und den Lei-denschaften zur Beute gegeben zu fern scheine : so treteder Genius seiner Vernunft zu ihm und frage ihnfreundlich: ob feine Tugend auch rechter Art und
mit dem Verstände, mit der Lhatigkcit verbundenscy, die allein den Namen der Tugend verdienet?Freilich gelingt nicht jedes Werk allenthalben; darumaber mache, daß cs gelinge und befördre seine Zeit,seinen Ork und jene innre Dauer desselben, in welcherdas wahrhaft-Gute allein daurct. Rohe Kräfte kön-ncn nur durch die Vernunft geregelt werden; cs ge-hört aber eine wirkliche Gegenmacht, d. i. Klugheit,Ernst und die ganze Kraft der Güte dazu, sie inOrdnung zu setzen und mit heilsamer Gewalt darinzu erhalten.
Ein schöner Traum ists vom zukünftigen Leben,da man sich im freundschaftlichen Genuß aller derWeisen und Guten denkt, die je für die Menschheitwirkten und mit dem süßen Lokn vollendeter Mühedas höhere Land betraten ; gewissermaßen aber eröffnetuns schon die Geschichte diese ergötzende Lauben desGesprächs und Umgangs mit den Verständigen undRechtschaffenen so vieler Zeiten. Hftr stehet Platovor mir: dort höre ich Sokrates freundliche Fragenund theile sein letztes Schicksal. Wenn Mark-Antoninim Verborgnen mit seinem Herzen spricht, redet erauch mit dem mcinigcn und der arme Epiktct giebtBefehle, mächtiger als ein König. Der gequälteTullius, der unglückliche Boethius sprechen zu mir,mir vertrauend die Umstände ihres Lebens, den Gramund den Trost ihrer Seele. Wie weit und wie engeN das menschliche Herz! wie einerlei und wieder-lommend sind alle seine Leiden und Wünsche, seine