lVl Ideen zur Philosophie
Geschlechts, um so williger, da ich jede, daß er derPlan der gesummten Natur ist. Die Regel, dieWeltsysteme erkält und jeden Ehrystall, jedes Würm-chen, jede Schneeflocke bildet, bildete und erhalt auchmein Geschlecht: sic machte seine eigne Natur, zumGrunde der Dauer und Fortwirkung desselben, «so-lange Menschen seyn werden. Alle Werke Gotteshaben ihren Bestand in sich und ihren schönen Zusam-menhang mit sich: denn sic beruhen alle in ihren ge-wisse» Schranken auf dem Gleichgewicht widerstreben-der Kräfte durch eine innerem,Macht, die diese zurOrdnung lenkte. Mit diesem Leitfaden durchwandreich das Labyrinth der Geschichte und sehe allenthalbenharmonische göttliche Ordnung: denn waS irgend ge-schehen kann, geschieht: was wirken kann, wirket.Vernunft aber und Billigkeit allein dauren; da Un-sinn und Thorheil sich und die Erde verwüsten.
Wenn ich also, nach jener Fabel, einen Brutus,den Dolch i» der Hand unter dem Sternenhimmelbei Philipp! sagen höre: „o Tugend, ich glaubte,
daß du etwas seyst; jetzt sehe ich, daß du ein Traumbist:" so verkenne ich den ruhigen Weisen in dieserletzten Klage. Besaß er wahre Tugend : so hatte sichdiese, wie seine Vernunft immer bei ihm belohnetund mußte ihn auch diesen Augenblick lohnen. Warseine Tugend aber blos Römer-Patriotismus; wasWunder, daß der Schwächere dem Starken, derTrage dem Rüstigern weichen mußte? Auch der Siegdes Antonius stimmt allen seinen Folgen gehörte zurOrdnung der Welt und zu RomS Natur-Schicksal.
Gleichcrgestalt wenn unter uns der Tugendhafteso oft klagt, daß sein Werk mißlinge, daß rohe Ge-walt und Unterdrückung auf Erde» herrsche und das