232 Ideen zur Philosophie
Vorfahren büßen und wenn sie das Ucbel nicht ver-bessern wollen oder können, können sie Zeitalter hindarunter leiden.
10. Jedem einzelnen Glicde wird also die Wohl-fahrt des Ganzen sein eigenes Beste: denn wer unterden Ucbeln desselben leidet, hat auch das Recht unddie Pflicht auf sich, diese Uebcl von sich abzuhaltenund sie für seine Brüder zu mindern. Auf Regen-ten und Staaten hat die Natur nicht gerechnet; son-dern auf das Wohlseyn der Menschen in ihren Rei-chen. Jene büßen ihre Frevel und Unvernunft lang-samer , als sie der Einzelne büßet , weil sie sich im-mer nur mit dem Ganzen berechnen, in welchemdas Elend jedes Armen lange unterdrückt wird; zu-letzt aber büßet es der Staat und sie mit desto ge-fahrlicherm Sturze. In alle diesem zeigen sich dieGesetze der Wiedervergeltung nicht anders als dieGesetze der Bewegung bei dem Stoß des kleinstenphysischen Körpers und der höchste Regent Europa'sbleibt den Naturgesetzen des Menschengeschlechts so-wohl unterworfen, als der Geringste feines Volkes.Sein Stand verband ihn blos, ein Hausbaltcr dieserNaturgesetze zu seyn und bei seiner Macht, die ernur durch andre Menschen hat, auch für andre Men-schen ein weiser und gütiger Menschcngott zu werden.
11. In der allgemeinen Geschichte also wie imLeben verwahrloseter einzelner Menschen erschöpfen sichalle Thorheiten und Laster unsres Geschlechts , bis sieendlich durch Noth gezwungen werden, Vernunft undBilligkeit zu lernen. Was irgend geschehen kann, ge-schieht und bringt hervor, was es seiner Natur nachHervorbringen konnte. Dies Naturgesetz hindert keine,
auch.