3i8 Ideen zur Philosophie
regsames Werkzeug in den Händen der Zeit worden.Auf dem Schutt seiner zerstörten Städte blühen neueGefilde: die Elemente strcucten den Staub der Ver-gessenheit darüber und bald kamen neue Geschlechter,die von und über den alten Trümmern bauten. DieAllmacht selbst kann es nicht andern, daß Folgenicht Folge sey: sie kann die Erde nicht Herstellen
zu dem, was sie vor Jahrtausenden war, so daßdiese Jahrtausende mit alle» ihren Wirkungen nichtdagewesen seyn sollten.
Im Fortgange der Zeiten liegt also schon einFortgang des Menschengeschlechts, sofern dies auchin die Reihe der Erde- und Zcitkindcr gehöret. Er-schiene jetzt der Vater der Menschen und sähe seinGeschlecht; wie würde er staunen! Sein Körper warfür eine junge Erde gebildet und nach der damaligenBeschaffenheit der Elemente mußte sein Bau, seineGedankenreihe und Lebensweise sepn; mit sechs undmehr Jahrtausenden hat sich gar manches hierinverändert. Amerika ist in vielen Strichen jetzt schonnicht mehr, was es bei seiner Entdeckung war; inein paar Jahrtausenden wird man seine alte Ge-schichte , wie einen Roman lesen. So lesen wirdie Geschichte der Eroberung Troja's und suchen ibroStelle, geschweige das Grab des Achilles oder denGottglcichen Helden selbst vergebens. Es wäre zurMcnschengeschichte ein schöner Beitrag, wenn manmit unterscheidender Genauigkeit alle Nachrichten derAlten von ihrer Gestalt und Größe, von ihren Nah-rungsmitteln und dem Maas ihrer Speisen, vonihren täglichen Beschäftigungen und Arten des Ver-gnügens, von ihrer Denkart über Liebe und Ehe,über Leidenschaften und Tugend, über den Gebrauch