Zf>6 Ideen zur Philosophie
Unförmlichkcit, die sich kaum lebend erbalten konnte,bis zur schönsten Gestalt eines griechischen Gotlmen-schen, von der leidenschaftlichsten Hitze eines Neger-gehirns bis zur Anlage der schönsten Weisheit. DurchFehler und Verirrungen, durch Erziehung, Nochund Ucbung sucht jeder Sterbliche dies Ebenmaasseiner Kräfte, weil in solchem allein der volleste Ge-nuß seines Dasepns lieget; nur wenige Glückliche abererreichen cs auf die reinste, schönste Weise.
2 . Da der einzelne Mensch für sich sehr unvoll-kommen bestehen kann: so bildet sich mit jeder Ge-sellschaft ein höheres Maximum zusammen-wirkender Kräfte. In wilder Verwirrung lau-sen diese so lange gegen einander, bis nach unfehl-baren Gesetzen der Natur die widrigen Regeln ein-ander einschranken und eine Art Gleichgewicht undHarmonie der Bewegung werde. So modistciren sichdie Nationen nach .Ort, Zeit und ihrem innernEharakter; jede tragt das Ebenmaas ihrer Vollkom-menheit, unvergleichbar mit andern, in sich. Jereiner und schöner nun das Maximum war, aufwelches ein Volk traf, auf je nützlichere Gegenständees seine Uebung schönerer Kräfte anlegte, je genauerund fester endlich das Band der Vereinigung war,das alle Glieder des Staats in ihrem Innersten knüpfteund sie auf diese guten Zwecke lenkte: desto bestehen-der war die Nation in sich , desto edler glanzt ihr Bildin der Menschengeschichte. Der Gang, den wir bis-her durch einige Völker genommen, zeigte, wie ver-schieden nach Ort, Zeit und Umstanden das Ziel war,auf welches sie ihre Bestrebungen richteten. Bei denSinesen wars eine feine politische Moral: bei den