r<)6 Ideen zur Philosophie
nichts vermögen. Jede bandelnde Nation Europa'sbeklaget es jetzt und wird es künftig noch mehr bc^klagen, was sie einst des Aberglaubens oder des Nei-des wegen sinnlos zerstörte. Jemehr die Vernunftzunimmt, desto mehr muß die erobernde eine han-delnde Schifffahrt werden, die auf gegenseitiger Ge-rechtigkeit und Schonung, auf einen fortgehendenWetteifer in übertreffendem Kunstfleiße, kurz aufHumanität und ihren ewigen Gesetzen ruhet.
Inniges Vergnügen fühlt unsre Seele, wenn sieden Balsam, der in den Naturgesetzen der Mensch-heit liegt, nicht nur empfindet, sondern ihn auchKraft seiner Natur sich unter den Menschen widerihren Willen ausbreiten und Raum schaffen sichet.Das Vermögen zu fehlen konnte ihnen die Gottheitselbst nicht nehmen; sie legte es aber in die Naturdes menschlichen Fehlers, daß er früher oder spatersich als solchen zeigen und dem rechnenden Geschöpfoffenbar werden mußte. Kein kluger Regent Euro-pas verwaltet seine Provinzen mehr, wie der Perser-König , ja wie selbst die Römer solche verwalteten;wenn nicht aus Menschenliebe, so aus besserer Ein-sicht der Sache, da mit den Jahrhunderten sich derpolitische Ealcul gewisser, leichter, klarer gemachthat. Nur ein Unsinniger würde zu unserer Zeit Ae-gyptische Pyramiden bauen und jeder, der ähnlicheNutzlosigkeiten aufführt, wird von aller vernünftigenWelt für sinnlos gehalten; wenn nicht aus Völker-liebe, so aus sparender Berechnung. Blutige Fech-terspiele , grausame Thierkampfe dulden wir nichtmehr; alle diese wilden Jugcndübungen ist das Men-schengeschlecht durchgangen und hat endlich cinschengelernt, daß ihre tolle Lust der Mühe nicht wcrlh sey.