Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 5 (1820) Ideen ; 3
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

der Geschichte der Menschheit. 285

blieben, was sic waren; den Menschen machte Gottzu einem Gott auf Erden, er legte das Principiumeigner Wirksamkeit in ihn und setzte solches durch in-nere und äußere Bedürfnisse seiner Natur von An-fänge an in Bewegung. Der Mensch konnte nichtleben und sich erhalten, wenn er nicht Vernunftbrauchen lernte: sobald er diese brauchte war ihm

freilich die Pforte zu tausend Jrrchümern und Fehl-versuchen, eben aber auch und selbst durch diese Jrr-thümer und Fehlversuche der Weg zum bessern Ge-brauch der Vernunft eröffnet. Je schneller er seineFehler erkennen lernt, mit je rüstigerer Kraft er dar-auf geht, sie zu bessern; desto weiter kcmmt er,desto mebr bildet sich seine Humanität; und er musssie anrbilden oder Jahrhunderte durch unter der Lasteigner Schulden ächzen.

Wir sehen also auch, daß sich die Natur zuErrichtung dieses Gesetzes einen so weiten Raum cr-kohr, als ihr der Wohnplatz unsers Geschlechts ver-gönnte; sie organisirte den Menschen sovielfach, alsauf unsrer Erde ein Menschengeschlecht sich organischenkonnte. Nahe an den Affen stcllete sic den Neger hinund von der Negervernunft an bis zum Gehirn derfeinsten Menschcnbildung ließ sic ihr großes Problemder Humanität von allen Völkern aller Zeiten auslöscn.Das Nothwendige, zu welchem der Trieb und dasBedürfnis; führet, konnte beinah keine Nation derErde verfehlen; zur fcinern Ausbildung des Zustan-des der Menschheit gab es auch feinere Völker sanf-terer Klimate. Wie nun alles Woblgeordnete undSchöne in der Mitte zweier Extreme liegt: so mußteauch die schönere Form der Vernunft und Humanitätin diesem gemäßigten! Mitlelstrich ihren Platz finden.