256
Ideen zur Philosophie
vermochten und ausübten, ist unsäglich. Der stärksteSchatte gränzt ans stärkste Licht: eine StiefmutterLivia und die treue Antonia-Drusus, eine Plancinaund Agrippina-Germanikus, eine Messalina undOktavia stehen dicht an einander.
*
*
*
Wollen wir den Werth der Römer auch in derWissenschaft schätzen, so müssen wir von ihrem Cha-rakter ausgchn und keine Griechen-Künste von ihnenfodern. Ihre Sprache war der Aeolische Dialekt,beinah mit allen Sprachen Italiens vermischt; siehat sich aus dieser rohen Gestalt langsam hcrvorge-arbeitet und dennoch Trotz aller Bearbeitung hat siezur Leichtigkeit, Klarheit und Schönheit der griechi-schen Sprache nie völlig gelangen mögen. Kurz,ernst und würdig ist sie, die Sprache der Eesctzge-'der und Beherrscher der Welt; in allem ein Bildvom Geiste der Römer. Da diese mit den Griechenerst spät bekannt wurden, nachdem sie durch dieLateinische, Etruskische und eigne Eultur lange Zeitschon ihren Charakter und Staat gebildet hatten: solernten sie auch ihre natürliche Beredsamkeit durchdie Kunst der Griechen erst spät verschönern. Wirwollen also über die ersten dramatischen und poeti-schen Ucbungen, die zu Ausbildung ihrer Spracheunstreitig viel beitrugen, wegschn und von dem reden,was bei ibnen tiefere Wurzel faßte. Es war diesesGesetzgebung, Beredsamkeit und G e-schichte; Blüthcn des Verstandes, die ibre Ge-schäfte