Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 5 (1820) Ideen ; 3
Entstehung
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

der Geschichte der Menschheit. 255

Gemach einer Livia mit scheinheiliger Rübe die müde-gequaltc Welt beherrschte. Nichts blieb dir übrigals dein eigner Stahl, eine traurige und doch noth-ivendige Zuflucht der Unglücklichen unter einem Rö-mischen Schicksal.

Woher entsprang dieser große Charakter derRömer? Er entsprang aus ihrcr Erziehung, oftsogar aus dem Namen der Person und des Geschlech-tes , aus ihren Geschäften, aus dem Zuiammen-drangc des Raths, des Volks und aller Völker imMittelpunkt der Weltherrschaft; ja endlich aus derglücklich-unglücklichen Nothwendigkeit selbst, in dersich die Römer fanden. Daher tkciltc er sich auchallem mir, was an der Römischen Größe Theilnabm, nicht nur den cdcln Geschlechtern, sondernauch dem Volk; und Männern sowohl als den Wei-bern. Die Tochter Scipio's und Cato's, die GattinBrutus, der Gracchen Mutter und Schwester konn-ten ihrem Geschlecht nicht unwürdig bandeln; ja oftübertrafen edle Römerinnen die Männer selbst anKlugheit und Würde. So war Terentia heldenmü-thiger als Cicero, Veturia edier als Coriolan, Pau-lina starker als Sencca u. f. In keinem morgen-ländischen Harem, in keinem Gynaceum der Griechenkonnten bei aller Unlage der Natur weibliche Tugen-den hervocsproffen wie im öffentlichen und bauslichenLeben der Römer; freilich aber auch in verdorbenenZeiten weibliche Laster, vor denen die Menschheitschaudert. Schon nach Nebcrwindung der Lateinerwurden hundert und siebenzig Römische Gemahlinneneins, ihre Männer mit Gift hinzurichten und tran-ken, als sie entdeckt waren, ihre bereitete Arznei wieHelden. Was unter den Kaisern die Weiber in Rom