der Geschichte der Menschheit. 226
Landesrcligioncn, der Verachtung, die der Senat aufalle Weise von ihr abzuhalten strebte. Der Staats-kluge Polybius schrieb also einen Thcil der Nömer-tugenden, vorncmlich ihre unbestechliche Treue undWahrheit der Religion zu, die er Aberglaubennannte; und wirklich sind die Römer bis in diesparen Zeiten ihres Verfalls diesem Aberglauben soergeben gewesen, daß auch einige Feldherren vomwildesten Gemiilb sich die Gcbcrde eines Umgan-ges mit den Göttern gaben und durch ikre Begei-sterung , wie durch ihren Beistand nicht nur überdie Gemüther des Volkes und Heers sondern selbstüber das Glück und den Zufall Macht zu habenglaubten. Mit allen Staats- und Kriegshandlungenwar Religion verbunden, also daß jene durch diesegcweihet wurden; daher die edlen Geschlechter fürden Besitz der Religionswürden als für ihr heiligstesVorrecht gegen das Volk kämpften. Man schreibtdieses gemeiniglich blos ihrer Staatsklugheit zu, weilsie durch die Auspicien und Aruspicien als durcheinen künstlichen Rcligionsbetrug den Lauf der Be-gebenheiten in ihrer Hand hatten; aber wiewohl ichnicht laugne, daß diese auch also gebraucht worden,so war dies die ganze Sache nicht. Die Religionder Vater und Götter Roms war dem allgemeinenGlauben nach die Stütze ihres Glücks, das Unter-pfand ihres Vorzuges vor andern Völkern und dasgeweihete Hciligthum ihres in der Welt einzigenStaates. Wie sie nun im Anfänge keine fremdeGötter aufnahmen, ob sie wohl die Götter jedes frem-den Landes schoneten: so sollte auch Ihren Götternder alte Dienst, durch den sie Römer geworden wa-ren, bleiben. Hisrin etwas verändern, hieß diePhilos. und Gesch. V. LH. P Neen. III.