148 Ideen zur Philosophie
lichc und sowohl der Kunst als der Dichtkunst äus-scrst vortheilhafte Gebrauche. Nicht etwa nur,daß Jünglinge, zum Theil nackt, sich ln mancherleiKämpfen und Geschicklichkeiten übten und dabei demKünstler lebendige Modelle wurden; sondern viel-mehr , daß durch diese Ucbungen ihr Leib einer schö-nen Nachbildung fähig und durch diese jugendlichenSiege ihr Geist im thatigen Andenken des Fami-lien-Väter- und Hcldenruhms erhalten ward. AusPindar und aus der Geschichte wissen wir, wie hochdie Siege solcher Art im ganzen Griechcnlande ge-schätzt wurden und mit welchem Wetteifer man dar-nach strebte. Die ganze Stadt des UcberwinderSwurde damit geehrt: Götter und Helden der Vor-
zeit stiegen zum Geschlecht des Siegers nieder.Hierauf beruhet die Dekonomie der Dden Pindars;Kunstwerke, die er über den Werth der Bildsäulenerhob. Hierauf beruhete die Ehre des Grabmahlsoder der Statue, die dnr Sieger, meistens ldcalisch,erhalten durfte. Er war durch diese glückliche Nach-eiferung der Helden-Vorfahren gleichsam ein Gott ge-worden und über die Menschen erhoben. Wo sindjetzt dergleichen Spiele mit gleichem Werth undgleichen Folgen möglich?
3 . Auch die Staatsverfassungen der Griechenhalfen der Kunst auf; nicht sowohl weil sie Frei-staaten waren, als weil diese Freistaaten den Künst-ler zu großen Arbeiten brauchten. Griechenland warin viele Staaten vcrrhcilt und mochten diese vonKönigen oder von Archonten regiert werden: so fanddie Kunst Nahrung. Auch ihre Könige waren Grie-chen und alle Kunst - Bedürfnisse, die aus der Reli-gion oder aus Geschlechtssagen entsprangen, waren