142 Ideen zur Philosophie
m.
Künste der Griechen.
V^jn Volk von dieser Gesinnung mußte auch inallen Künsten des Lebens vom Nothwendigen zumSchönen und Wohlgefälligen steigen; die Griechenhaben dies in Allem, was auf sie traf, fast biszum höchsten Punkt erreichet. Ihre Religion crfo-derte Bilder und Tempel, ihre Staatsverfassungenmachten Dcnkmahle und öffentliche Gebäude, ihrKlima und ihre Lebensweise, ibre Betriebsamkeit,Ueppigkeit, Eitelkeit u. f. machten ihnen mancherleiWerke der Kunst nöthig. Der Genius des Schönengab ihnen also diese Werke an und half sie, einzigin der Menschengefchichte, vollenden: denn da die
größcstcn Wunder dieser Art längst zerstört sind,bewundern und lieben wir noch ihre Trümmer undScherben.
1. Daß Religion die Kunst der Griechen sehrbefördert habe, sehen wir aus den Verzeichnissen ih-rer Kunstwerke in Pausanias, Plinius oder irgendeiner der Sammlungen, die von ihren Resten reden;cs ist dieser Punkt auch der ganzen Völker- undMenschengeschichte ähnlich. Allenthalben wollte mangern den Gegenstand seiner Anbetung sehen und wosolches nicht das Gesetz oder die Religion selbst ver-bot, bestrebte man sich, ihn vorznstellen oder zu bilden.