iZ6 Ideen zur Philosophie
war, ein glücklicher Sänger der Ionischen Küste.So manche feiner Art mögen untergegangcn fern,die ihm Theilweisc den Ruhm streitig machen könn-ten, in welchem er jetzt als ein Einziger lebet. Manhat ibm T.mpcl gebaut und ihn als eine» mensch-lichen Gott verehret; die größeste Verehrung indcßist die bleibende Wirkling, die er auf seine Nationhatte und noch jetzt auf alle diejenigen hat, die ihnzu schätzen vermögen. Zwar sind die Gegen-stände, die er besingt, Kleinigkeiten nach unsrerWeise: seine Götter und Helden mit ihren Sittenund Leidenschaften sind keine andre, als die ihm dieSage seiner und dir vergangenen Zeiten darbot: ebenso eingeschränkt ist auch seine Natur - und Erdkennt-niß , seine Moral und Staatslehre. Aber die Wahr-heit und Weisheit, mit der er alle Gegenstände sei-ner Welt zu einem lebendigen Ganzen verwebt, derfeste Umriß jedes seiner Züge in jeder Person seinerunsterblichen Gemählde, die unangcstrengte sanfteArt, in welcher ec, frei als ein Gott, alle Cha-raktere sicht und ihre Laster und Tugenden, ihreGlücks- und Unglücksfälle erzählet, die Musik end-lich , die in so abwechselnden großen Gedichten un-aufhörlich von seinen Lippen strömt und jedem Bilde,jedem Klange seiner Worte cingchaucht, mit seinenGesängen gleich ewig lebet: sie sinds, die in der
Geschichte der Menschheit den Homer zum Einzigenseiner Art und der Unsterblichkeit würdig machen,wenn etwas auf Erden unsterblich seyn kann.
Nothwendig hatte Homer auf die Griecheneine andre Wirkung, als er auf uns haben kann,von denen er so oft eine erzwungene kalte Bewun-derung oder gar eine kalte Verachtung zum Lohn