der Geschichte der Menschheit. 107
gegangen als die Aegypter und haben aus ähnlichenHieroglyphen sich wirkliche Gedankencharakcere erfun-den, zu welchen, wie es scheint, diese nie gelangten.Dürfen wir uns also wundern , daß ein so schrift-armes und doch nicht ungeschicktes Volk sich in mecha-nischen Künsten hcrvorthat? Der Weg zur wissen-schaftlichen Literatur war ihnen durch die Hierogly-phen versperret und so mußte sich ihre Aufmerksam-keit desto mehr auf sinnliche Dinge richten. Dasfruchtbare Nilthal machte ihnen den Ackerbau leicht:jene periodischen Ucberschwemmungen, von denen ihreWohlfahrt abhing, lehrten sie messen und rechnen.Das Jahr und die Jahrszeiten mußten doch endlicheiner Nation geläufig werden , deren Leben und Wohl-seyn von einer Einzigen Naturveränderung abhing,die, jährlich wiederholt, ihnen einen ewigen Land-kalender machte.
Also auch die Natur- und Himmelsgeschichte,die man an diesem alten Volk rühmt: sie war ein ebenso natürliches Erzeuqniß ihrer Erd- und Himmels-gegend. Eingeschlofsen zwischen Bergen, Meeren undWüsten, in einem engen fruchtbaren Thake, wo Allesvon Einer Naturbegebenhcit abhing und auf dieselbezurückführte, wo Jahrszeiten und Ernte, Krankhei-ten und Winde, Insekten und Vogel sich nach Einerund derselben Revolution, der Ueberschwemmung desNils fügten; hier sollte der ernste Aegypter und seinZahlreicher müßiger Priestcrorden nicht endlich eineArt von Natur- und Himmels-Geschichte sammlen?Aus allen Welttheilen ists bekannt, daß eingeschlosse-ne sinnliche Völker die reichste lebendigste Kenntnißihres Landes haben, ob sie solche gleich nicht aus