Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 5 (1820) Ideen ; 3
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

Ehrgeizigen, die den Bau befahlen. Vergebens suchetihr Geheimnisse unter den Pyramiden oder verbor-gene Weisheit an den Obelisken: denn wenn die

Hieroglyphen der letzter» auch entziffert würden: waswürde, was könnte man an ihnen andere, als etwaeine Chronik verstorbener Begebenheiten oder eine ver-götternde Lobschrift ihrer Erbauer lesen? Und den-noch, was sind diese Massen gegen Ein Gebirge,das die Natur baute?

Ueberhaupt laßt sich aus Hieroglyphen so wenigauf eine tiefe Weisheit der Aegypter schließen, daßsic vielmehr gerade das Gcgcntheil davon beweisen.Hieroglyphen sind der erste rohe Kindesversuch desmenschlichen Verstandes, der Zeichen sucht, um seineGedanken zu erklären; die rohesten Wilden in Ame-rika hatten Hieroglyphen, soviel als sie bedurften:denn konnten nicht jene Merikancr sogar die ihnenunerhörteste Sache, die Ankunft der Spanier, inHieroglyphen melden? Daß aber die Aegypter so-lange bey dieser unvollkommenen Schrift blieben undsie Jahrhunderte hin mit ungeheurer Mühe auf Fel-sen und Wände mahlten; welche Armuth von Ideen,welch einen Stillstand des Verstandes zeigt dieses!Wie enge mußte der Kreis von Kenntnissen einerNation und ihres weitlauftigen gelehrten Ordensseyn, der sich Jahrtausende durch an diesen Vögelnund Strichen begnügte! Denn ihr zweiter Hermes,der die Buchstaben erfand, kam sehr spat; auch warer kein Aegypter. Die Buchstabenschrift der Mu-mien ist nichts als die fremde Phönicische Schriftart,vermischt mit hicroglyphischcn Zeichen, die man alsoauch aller Wahrscheinlichkeit nach von handelndenPhöniciem lernte. Die Sincsen selbst sind weiter