2go Ideen zur Philosophie
kendes Geschöpf zu handeln. Die älteste Philosophieist mit den neuesten Erfahrungen hierüber einig.
Ein Garten war der erste Wohnsitzdes Menschen und auch dieser Zug der Tradi-tion ist, wie ihn immer nur die Philosopdie ersin-nen könnte. Das Gartenleben ist das leichteste fürdie neugebohrne Menschheit: denn jedes andre, zu-mal der Ackerbau, fordert schon mancherlei Erfah-rungen und Künste. Auch zeigt dieser Zug der Tra-dition, was die ganze Anlage unsrer Natur bewei-set, daß der Mensch nicht zur Wildheit, sondernzum sanften Leben geschaffen sei und also, da derSchöpfer den Zweck seines Geschöpfs am bestenkannte, den Menschen, wie alle andre Wesen gleich-sam in seinem Element', im Gebiet der Lebensart,für die er gemacht ist, erschaffen babe. Alle Ver-wilderung der Menschcnstamme ist Entartung, zuder sie die Noth, das Klima oder eine leidenschaft-liche Gewohnheit zwang: wo dieser Zwang aufhö-ret, lebet der Mensch überall auf der Erde sanfter,wie die Geschichte der Nationen beweiset. Nur dasBlut der Thicre hat den Menschen wild gemacht;die Jagd, der Krieg und leider auch manche Be-drängnisse der bürgerlichen Gesellschaft. Die älte-ste Tradition der frühesten Weltvölker weiß nichtsvon jenen Waldungeheuern, die als natürliche Un-menschen Jahrtausende lang mordend umhergestreiftund dadurch ihren ursprünglichen Beruf erfüllet dät-ten. Erst in entlegnen, rauheren Gegenden, Nachweiten Verirrungen der Menschen fangen diese wil-den Sagen an, die der spätere Dichter gern aus-