der Geschichte der Menschheit. 23 g
also, auch wenn der Hottcntott sein lebendiges Kindvergrabt und der Eskimo seinem alten Vater dasAlter verkürzet, sind Folgen der traurigen Noch,die indeß nie das ursprüngliche Gefübl der Huma-nität widerleget. Viel sonderbarere Gräuel hat un-ter uns die mißgcleitete Vernunft oder die ausqelafi-ne Ucppigkeit erzeuget, Ausschweifungen, an welchedie Polygamie der Neger schwerlich reichet. Wienun deswegen unter uns niemand laugncn wird,daß auch in die Brust des Sodomiten, des Unter-drückers, des Meuchelmörders das Gebilde der Hu-manität gegraben sei, ob crs gleich durch Leiden-schaften und freche Gcwolmbeit fast unkenntlichmachte: so vergönne man mir, nach allem was ich
über die Nationen der Erde gelesen und geprüfthabe, diese innere Anlage zur Humanität so allge-mein als die Menschliche Natur, ja eigentlich fürdiese Natur selbst anzunehmen. Sie ist älter, alsdie spekulative Vernunft, die durch Bemerkung undSprache sich erst dcm Menschen angebildet hat, jadie in praktischen Fällen kein Richtmaas in sich hat-te , wenn sie es nicht von jenem dunklen Gebilde inuns borgte. Sind alle Pflichten des Menschen nurConventionen, die er als Mittel der Glückseligkeitsich selbst aussann und durch Erfahrung feststcllte:so hören sie Augenblicks auf meine Pflichten zu seyn,wenn ich mich von ihrem Zweck, der Glückseligkeiftlossaqe. Der Syllogismus der Vernunft ist nunvollendet. Aber wie kamen sie denn in die Brustdessen, der nie über Glückseligkeit und die Mitteldazu spcculirend dachte? wie kamen Pflichten derEhe, der Vater- und Kindesliebe, der Familie undder Gesellschaft in den Geist eines Menschen, ehe