Ideen zur Philosophie
eines Altars auf dem Thron oder eines Throns aufdem Altar zur Welt brachte. Nothwcndig mußtendie entarteten Priester bei diesem ungleichen Streitallemal verlieren: denn sichtbare Macht stritt mit
dem unsichtbaren Glauben, der Schatte einer altenTradition sollte mit dem Glanz des goldenen Scep-tcrs kämpfen, den ehedem der Priester selbst gehei-ligt und' dcm Monarchen in die Hand gegeben hatte.Die Zeiten der Priesterhcrrschaft gingen also mit derwachsende» Eultur vorüber: der Despot, der ur-
sprünglich seine Krone im Namen Gottes geführthatte, fand es leichter, sie in seinem eignen Namenzu tragen und das Volk war jetzt durch Regentenund Weise zu diesem andern Scepter gewöhnet.
Nun ist es erstens unlaugbar, daß nurReligion es gewesen se >, die den Völkcrnallenthalben die erste Eultur und Wis-senschaft brachte, ja daß diese ur-sprünglich nichts als eine Art religi.öser Tradition waren. Unter allen wildenVölkern ist noch jetzt ihre wenige Eultur und Wis-senschaft mit der Religion verbunden. Die Spracheihrer Religion ist eine erhabnere feierliche Sprache,die nicht nur die heiligen Gebrauche mit Gesang undTcmz begleitet, sondern auch meistens von den Sa-gen der Urwelt ausqeht, mithin das Einzige ist,was diese Völker von alten Nachrichten, dcm Ge-dächtnis; der Vorwelt oder einem Schimmer der Wis-senschaft übrig haben. Die Zahl und das Bemerkender Tage, der Grund aller Zeitrechnung, war oderist überall heilig; die Wissenschaft des Himmelsund her Natur, wie sie auch seyn möge, haben die